Exposition von Kindern gegenüber Gewalt in Paarbeziehungen:
Prozess- und Kostenanalyse im Kontext der Sorgerechts- und Besuchsrechtsvergabe

Die vom EBG in Auftrag gegebene INFRAS-Studie “Kosten von Gewalt in Paarbeziehungen” aus dem Jahr 2013 hielt fest: “Es fehlen insbesondere die Datengrundlagen, um die Kosten von Gerichtsverfahren, die Kosten von Unterstützungsangeboten für Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, einschliesslich der durch die Gewalt verursachten Gesundheitsprobleme zu ermitteln. Hierbei könnte es sich um erhebliche Beträge handeln, da die Auswirkungen von Gewalt weitreichend sind und ein Leben lang anhalten können. Außerdem haben Kinder, die Gewalt ausgesetzt sind, ein sehr hohes Risiko, als Erwachsene selbst Opfer oder Täter von Gewalt zu werden.

Im Jahr 2022 hatte KidsToo in Erwägung gezogen, die Kostenschätzung zu aktualisieren und die Kosten für Kinder einzubeziehen. Die bei dem Büro Social Insight in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie ergab, dass seit 2013 kaum Fortschritte bei der Datenerhebung gemacht worden waren und die geplante Studie nicht durchführbar war.
Die kontaktierten Expertinnen und Experten äußerten Ansätze für kinderspezifische Teilstudien.

KidsToo hat den Vorschlag zur Problematik des Umgangsrechts gewählt, da die Lehre zwar regelmäßig vor einer Überbetonung der elterlichen Beziehung gewarnt und auf die Gefahr für das Kind als Zeuge von Gewalt hingewiesen hat, wenn anschließend ein Umgangsrecht gewährt wird, weil es selbst nicht Opfer direkter Gewalt war, und da dann oft eine vorübergehende Aussetzung des Umgangsrechts oder Begleitmaßnahmen erforderlich sein können, dies in der Praxis jedoch nicht immer, nicht wirklich, nicht oft berücksichtigt wird. Siehe auch die vom EBG und der SKHG in Auftrag gegebene Studie “Unterstützungsangebote und Schutzmassnahmen für Kinder, die der Gewalt in der elterlichen Partnerschaft ausgesetzt sind“, die im Januar 2024 veröffentlicht wurde.

Zusammen mit dem Büro Social Insight hat KidsToo die Ausschreibung für die Studie festgelegt. Die Angebote wurden von einer Expertengruppe bewertet.

Die Stiftung beauftragte das Centro competenze lavoro, welfare e società der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI), zusammen mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) eine Studie zum Thema “Kinder als Mitbetroffene von Paargewalt: Eine Analyse von Prozessen und Kosten im Kontext des Besuchs- und Sorgerechts” durchzuführen. Projektleiterin ist Frau Ornella Larenza, PhD und Ricercatrice (SUPSI) in Zusammenarbeit mit Prof. Andreas Jud (ZHAW).

Die Studie wird sich auf die Gegebenheiten vor Ort in den Kantonen St. Gallen, Tessin, Waadt und Zürich stützen.

Die Ergebnisse werden für den Spätsommer 2025 erwartet.