📬 Der Newsletter der Stiftung KidsToo für Mai 2026 ist online.

In dieser Ausgabe:

🔹 Die Nichteinhaltung der Istanbul-Konvention durch unsere Gesetzgebung
🔹 Ein offener Brief an die Mitglieder des Nationalrats
🔹 Die Notwendigkeit, den Begriff der coercive control (Zwangskontrolle) ins Schweizer Recht aufzunehmen
🔹 Die Herausforderungen rund um die Motion De Quattro 25.3062
🔹 Ressourcen und Literaturempfehlungen zum besseren Verständnis häuslicher Gewalt
🔹 Unser Symposium vom 10. Juni in Neuchâtel zum Thema coercive control

KidsToo ist überzeugt, dass es an der Zeit ist, den Schutz der Opfer zu stärken und unseren gesetzlichen Rahmen weiterzuentwickeln.

📖 Den vollständigen Newsletter finden Sie hier: https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202605_DE.pdfembres du Conseil national
🔹 La nécessité d’introduire la notion de contrôle coercitif dans le droit suisse
🔹 Les enjeux autour de la motion De Quattro 25.3062
🔹 Des ressources et lectures pour mieux comprendre les violences domestiques
🔹 Notre symposium du 10 juin à Neuchâtel sur le contrôle coercitif

Chez KidsToo, nous restons convaincus qu’il est temps de renforcer la protection des victimes et de faire évoluer notre cadre légal.

📖 Découvrez la newsletter complète ici : https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202605_FR.pdf

⏳ Nur noch 7 Tage, um sich für das KidsToo-Symposium anzumelden!

📍 Hôtel Beaulac, Neuchâtel
📅 10 juin 2026


« Coercive control : Familiäre und rechtliche Aspekte »

Programm :

🎤 Dre Andreea Gruev-Vintila
« Coercive control: was uns aktuelle Studien sagen »

🎤 Dr. med. Alessandra Duc Marwood
« Gewalt erkennen und Familiendynamiken verstehen»

🎤 Prof. Daniel Schechter
« Auswirkungen der Weitergabe von Gewalttraumata»

🎤 May Beyli
« Psychische Entwicklungswege und Kontrollmechanismen bei Gewalttäter*innen »

🎤 Me Loïc Parein
« Coercive control aus strafrechtlicher Sicht: zwischen gesellschaftlicher Anerkennung und rechtliche Herausforderung »

🎤 Ruedi Winet
« Anpassung des Familienrechts zum Schutz der Opfer»

Ein Tag des interdisziplinären Austauschs, der für Fachleute aus den Bereichen Recht, Gesundheit, Soziales und Kinderschutz von entscheidender Bedeutung ist.

🔗 Informationen und Anmeldung: www.kidstoo.ch/de/symposium


« Contrôle coercitif – Enjeux familiaux et juridiques »

Au programme :

🎤 Dre Andreea Gruev-Vintila
« Le contrôle coercitif, ce que nous disent les études aujourd’hui »

🎤 Dr. med. Alessandra Duc Marwood
« Reconnaître les violences et comprendre les dynamiques familiales »

🎤 Prof. Daniel Schechter
« Impact de la transmission des traumatismes de la violence »

🎤 May Beyli
« Trajectoires psychiques et mécanismes de contrôle chez les auteur.e.s de violences »

🎤 Me Loïc Parein
« Le contrôle coercitif au prisme du droit pénal : entre reconnaissance sociétale et défi judiciaire »

🎤 Ruedi Winet
« Adapter le droit de la famille pour la protection des victimes »

Une journée d’échanges interdisciplinaires essentielle pour les professionnel-le-s du droit, de la santé, du social et de la protection de l’enfance.

🔗 Informations et inscriptions : www.kidstoo.ch/symposium

📢 Zum ersten Mal veröffentlicht die Fondation KidsToo einen Bericht über Sexualdelikte in der Schweiz.

Im Anschluss an die Revision des Sexualstrafrechts, die im Juli 2024 in Kraft trat («Nein heisst Nein»), wollten wir deren Auswirkungen anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik von 2009 bis 2025 analysieren.

Der Bericht zeigt insbesondere auf:

▪️ +39 % erfasste Sexualdelikte zwischen 2019 und 2025
▪️ +55 % Sexualdelikte im häuslichen Umfeld im selben Zeitraum
▪️ +67 % erfasste Vergewaltigungen zwischen 2023 und 2025 nach der Revision des Sexualstrafrechts
▪️ Im Jahr 2025 machen Sexualdelikte im häuslichen Umfeld 27 % aller Sexualdelikte aus, gegenüber 17 % im Jahr 2009
▪️ Frauen bleiben die Hauptopfer, doch die Statistiken zeigen auch einen Anstieg männlicher Opfer, die lange Zeit unsichtbar geblieben sind
▪️ Minderjährige machen im Jahr 2025 42 % der Opfer von Sexualdelikten im häuslichen Umfeld aus

Diese Zahlen spiegeln sowohl das anhaltende Ausmass der Gewalt als auch eine schrittweise Auflösung des Schweigens wider.

📄 Vollständiger Bericht:

https://www.kidstoo.ch/app/uploads/Dernier_ViolDom_K2_1_Sex_DE.pdf

[Coercive control | Zwangskontrolle und Kinder]

Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, sind nicht bloß mittelbare Zeug:innen. Sie sind eigenständige Opfer.

„Oft besteht die Vorstellung, dass ein Kind zwangsläufig sprechen wird, wenn alles dafür eingerichtet ist, ihm zuzuhören. Nichts könnte falscher sein.“

„Ein betroffenes Kind spricht nicht, weil es Worte waren, die es verletzt haben; Worte waren es, die sein Leben zerstört haben.“

„Die Worte eines betroffenen Kindes aufzunehmen bedeutet, das Kind zu unterstützen, gemeinsam mit ihm und für es ausreichend tragfähige Vertrauensbeziehungen aufzubauen und vor allem zu wissen, wie man ihm zuhört: durch seine Worte, seine Gesten, seine Haltungen und sein Schweigen.“

Jedes betroffene Kind braucht eine spezifische Begleitung, die auf seine eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist, seinem Tempo entspricht, Sicherheit vermittelt und von Fachpersonen getragen wird, die für diese Komplexität ausgebildet sind.

Das Buch „Repérage et prise en charge des enfants exposés au contrôle coercitif“ (in FR) (Erkennung und Begleitung von Kindern, die Zwangskontrolle ausgesetzt sind) stellt in diesem Zusammenhang eine wertvolle Ressource dar. Durch die herausragende Qualität seiner Mitwirkenden und den außergewöhnlichen Reichtum an Erfahrungsberichten liefert es wichtige Schlüssel, um besser zu verstehen, zu erkennen und zu begleiten.

Avant notre symposium du 10 juin à Neuchâtel, découvrez la vidéo de l’Association 125 et Après, où Dr Andreea Gruev-Vintila pose les bases de ce concept fondamental.

Notre symposium explorera son impact sur la famille (Daniel Schechter, Alessandra Duc Marwood), les trajectoires psychologiques des auteurs (May Beyli), ainsi que ses implications légales, civiles (Ruedi Winet) et pénales (Loic Parein)

Merci à Sarah Barukh, fondatrice de l’association 125 et Après, pour son engagement exceptionnel et son travail titanesque de sensibilisation, et à Andreea Gruev-Vintila pour ses travaux de recherche et son ouvrage de référence « Le contrôle coercitif : au coeur de la violence conjugale ».

Info et inscription au symposium: https://www.kidstoo.ch/symposium/



A huge congratulations to our two champions, Luuk and Matias, who took on the Zurich Marathon challenge to support the KidsToo Foundation 🏃‍♂️

Thanks to their dedication and everyone’s generosity, we were able to raise 2’190 CHF 🙏
A heartfelt thank you to everyone who contributed.

For a foundation like ours, which relies entirely on donations, this is truly essential support that allows us to go further and create real impact.

We look forward to sharing soon the projects that will be made possible thanks to your contributions.

Thank you all again for your support 💫

Un immense bravo à nos deux champions, Luuk et Matias, qui ont relevé le défi du Marathon de Zurich pour soutenir la fondation KidsToo 🏃‍♂️

Grâce à leur engagement et à la générosité de chacun, nous avons réussi à récolter 2’190 CHF 🙏
Un grand merci à toutes les personnes qui ont contribué.

Pour une fondation comme la nôtre, qui dépend entièrement des dons, il s’agit d’un soutien essentiel qui nous permet d’aller plus loin et d’avoir un impact concret.

Nous nous réjouissons de partager très bientôt les projets qui pourront être réalisés grâce à vos contributions.

Encore merci à tous pour votre soutien 💫

Ein riesiges Dankeschön und herzliche Gratulation an unsere beiden Champions Luuk und Matias, die sich der Herausforderung des Zürich Marathons gestellt haben, um die KidsToo Foundation zu unterstützen 🏃‍♂️

Dank ihres Engagements und der Grosszügigkeit aller konnten wir 2’190 CHF sammeln 🙏
Ein herzliches Dankeschön an alle, die beigetragen haben.

Für eine Stiftung wie unsere, die vollständig auf Spenden angewiesen ist, ist dies eine essenzielle Unterstützung, die es uns ermöglicht, weiterzugehen und einen konkreten Impact zu erzielen.

Wir freuen uns darauf, bald die Projekte mit euch zu teilen, die dank eurer Beiträge realisiert werden können.

Nochmals vielen Dank für eure Unterstützung 💫

Die Stiftung KidsToo hat eine vertiefte Analyse der Polizeidaten veröffentlicht. Unser Bericht stellt neue Indikatoren vor, die das tatsächliche Ausmaß besser abbilden und eine fundiertere Grundlage für politische Maßnahmen schaffen.

🔎 Das Wichtigste auf einen Blick:
• Häusliche Gewalt ist weiterhin stark geschlechtsspezifisch geprägt
➡️ 87 % der Opfer „schwerer“ Gewalt sind Frauen
➡️ 73 % bei sogenannten „nicht schweren“ Fällen

• Die offiziellen Zahlen unterschätzen das Ausmaß deutlich
➡️ 120 Opfer schwerer häuslicher Gewalt im Jahr 2024 (offizielle Statistik)
➡️ bis zu 1’478 Betroffene laut unserem erweiterten Indikator (×12)

• Die Problematik nimmt zu
➡️ +13 % „schwere“ Gewalt
➡️ +3,6 % „nicht schwere“ Gewalt
➡️ über 10’000 Opfer psychischer Gewalt im Jahr 2025

• Eine besorgniserregende Realität:
➡️ Mehr Frauen sind von häuslicher als von nicht häuslicher Gewalt betroffen (über alle Gewaltformen hinweg)
➡️ Berücksichtigt man die hohe Dunkelziffer, könnte die Zahl über 46’500 Betroffene liegen

📥 Den vollständigen Bericht entdecken :

Man könnte denken, dieser Kommentar stamme aus einem anderen Jahrhundert.
Spoiler: nein.

Dieser Satz stammt aus einer 2024 veröffentlichten Studie (Teil II) — « Unterstützungsangebote und Schutzmassnahmen für Kinder, die Gewalt in der elterlichen Paarbeziehung ausgesetzt sind » —, die bei Fachpersonen der Justiz in der Schweiz durchgeführt wurde.

Ziel: zu verstehen, wie häusliche Gewalt in Entscheidungen zu elterlicher Sorge, Obhut und persönlichen Beziehungen berücksichtigt wird.

Und manchmal ergibt das … so etwas:

👉 « Sie werden drüber hinwegkommen. Sie war auch doof, schwanger zu werden, obwohl sie sich trennen wollte. Beide Fehler gemacht. Nach vorne schauen. Kommt gut. » (Richter:in 264)

Ja, Sie haben richtig gelesen.
Nein, das ist keine Karikatur.

Hinter solchen Aussagen stehen Entscheidungen, die Kinder und den schützenden Elternteil betreffen.

Nein, das ist nicht (nur) eine Frage von „unglücklich formulierten“ Einzelmeinungen.
Es ist ein Symptom.

➡️ eines Mangels an Ausbildung und Sensibilisierung für die Dynamiken häuslicher Gewalt
➡️ einer anhaltenden Bagatellisierung
➡️ eines Systems unter Druck, in dem die Zeit fehlt, komplexe Situationen wirklich zu verstehen

Zum Glück nehmen einige Kantone das Thema ernst und bieten entsprechende Weiterbildungen an.
Aber in überlasteten Gerichten: Kann man ohne zusätzliche Ressourcen wirklich Wunder erwarten?

Bericht: https://backend.ebg.admin.ch/fileservice/sdweb-docs-prod-ebgch-files/files/2024/01/19/ca23a3ef-098d-4992-aaa2-59b778f515e0.pdf

Bei häuslicher Gewalt wird das Tier zu einem Instrument der coercive control.

Ihm zu drohen, es zu verletzen.
Ihm Leid zuzufügen.
Es manchmal sogar zu töten.

Die Gewalt richtet sich nicht nur gegen die betroffene Person.
Sie erfasst den gesamten Haushalt.

👉 All das dient einem Ziel:
die betroffene Person unter Kontrolle zu halten und sie an der Flucht zu hindern

Eine gewalttätige Beziehung zu verlassen, ist bereits ein enormer Kampf.
Wenn man zusätzlich eine Migrantin ist oder keinen legalen Status hat, wird es nahezu unmöglich … ohne einen echten politischen Willen, alle Opfer zu schützen.

Der Nationalrat hat dank der Motion von Jessica Jaccoud einen konkreten Schritt gemacht, die darauf abzielt, Frauen ohne legalen Status, die Opfer von Gewalt sind, zu schützen. Ein Erfolg für diejenigen, die lange keine Stimme hatten.

Doch die Arbeit geht weiter: Der tatsächliche Schutz liegt nun beim Ständerat.

👏 Danke und herzliche Gratulation an Jessica Jaccoud sowie an alle, die sich für Gerechtigkeit und die Sicherheit aller Frauen einsetzen.

Den Antrag lesen: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20254224