
Man könnte denken, dieser Kommentar stamme aus einem anderen Jahrhundert.
Spoiler: nein.
Dieser Satz stammt aus einer 2024 veröffentlichten Studie (Teil II) — « Unterstützungsangebote und Schutzmassnahmen für Kinder, die Gewalt in der elterlichen Paarbeziehung ausgesetzt sind » —, die bei Fachpersonen der Justiz in der Schweiz durchgeführt wurde.
Ziel: zu verstehen, wie häusliche Gewalt in Entscheidungen zu elterlicher Sorge, Obhut und persönlichen Beziehungen berücksichtigt wird.
Und manchmal ergibt das … so etwas:
👉 « Sie werden drüber hinwegkommen. Sie war auch doof, schwanger zu werden, obwohl sie sich trennen wollte. Beide Fehler gemacht. Nach vorne schauen. Kommt gut. » (Richter:in 264)
Ja, Sie haben richtig gelesen.
Nein, das ist keine Karikatur.
Hinter solchen Aussagen stehen Entscheidungen, die Kinder und den schützenden Elternteil betreffen.
Nein, das ist nicht (nur) eine Frage von „unglücklich formulierten“ Einzelmeinungen.
Es ist ein Symptom.
➡️ eines Mangels an Ausbildung und Sensibilisierung für die Dynamiken häuslicher Gewalt
➡️ einer anhaltenden Bagatellisierung
➡️ eines Systems unter Druck, in dem die Zeit fehlt, komplexe Situationen wirklich zu verstehen
Zum Glück nehmen einige Kantone das Thema ernst und bieten entsprechende Weiterbildungen an.
Aber in überlasteten Gerichten: Kann man ohne zusätzliche Ressourcen wirklich Wunder erwarten?
Bei häuslicher Gewalt wird das Tier zu einem Instrument der coercive control.
Ihm zu drohen, es zu verletzen.
Ihm Leid zuzufügen.
Es manchmal sogar zu töten.
Die Gewalt richtet sich nicht nur gegen die betroffene Person.
Sie erfasst den gesamten Haushalt.
👉 All das dient einem Ziel:
die betroffene Person unter Kontrolle zu halten und sie an der Flucht zu hindern
Eine gewalttätige Beziehung zu verlassen, ist bereits ein enormer Kampf.
Wenn man zusätzlich eine Migrantin ist oder keinen legalen Status hat, wird es nahezu unmöglich … ohne einen echten politischen Willen, alle Opfer zu schützen.
Der Nationalrat hat dank der Motion von Jessica Jaccoud einen konkreten Schritt gemacht, die darauf abzielt, Frauen ohne legalen Status, die Opfer von Gewalt sind, zu schützen. Ein Erfolg für diejenigen, die lange keine Stimme hatten.
Doch die Arbeit geht weiter: Der tatsächliche Schutz liegt nun beim Ständerat.
👏 Danke und herzliche Gratulation an Jessica Jaccoud sowie an alle, die sich für Gerechtigkeit und die Sicherheit aller Frauen einsetzen.
Den Antrag lesen: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20254224

🎤 Coercive control: was uns aktuelle Studien sagen
Dre Gruev-Vintila ist Autorin des Buches „Le contrôle coercitif : au cœur de la violence conjugale“ (Coercive control: im Zentrum häuslicher Gewalt). Als zentrale Akteurin der Initiative zur Aufnahme der koerzitativen Kontrolle in die französische Gesetzgebung trägt sie maßgeblich zur Verbreitung und zum Verständnis dieses zentralen Mechanismus häuslicher Gewalt bei. Ihre Arbeiten zeigen auf, wie sich ein System von Menschenrechtsverletzungen etabliert, das aus Strategien psychologischer und materieller Dominanz besteht und die Freiheit sowie die Autonomie der Betroffenen einschränkt. Ihr Vortrag bietet eine Synthese des aktuellen Forschungsstands, ordnet die wichtigsten empirischen Ergebnisse ein und beleuchtet deren Implikationen für Verständnis, Prävention und Intervention.
💡 Symposium KidsToo « Coercive control: Familiäre und rechtliche Aspektes »
📍 Hôtel Beaulac, Neuchâtel
🗓️ 10. Juni 2026
👉 Vollständiges Programm und Anmeldung hier : www.kidstoo.ch/de/symposium

🎤 Anpassung des Familienrechts zum Schutz der Opfer
Ruedi Winet, Jurist, Pflegefachmann Psychiatrie und ehemaliger Präsident einer KESB, ist heute Geschäftsführer der KESB-Präsidien-Vereinigung im Kanton Zürich. Durch seine zusätzliche fachliche Erfahrung in der Psychiatrie bringt er eine besondere Sensibilität für die Dynamiken psychischer Belastungen und komplexer Familiensysteme mit, was seine Sichtweise auf Fragen des Opferschutzes wesentlich prägt.
In seiner Präsentation wird er die Herausforderungen des Opferschutzes beleuchten, insbesondere die Angemessenheit von Schutzanordnungen im Hinblick auf coercive control, die Anerkennung und Berücksichtigung gefährdeter Kinder (elterliche Sorge, Aufrechterhaltung der Beziehung, Instrumentalisierung) und bestimmten Gerichtsentscheidungen, die die Opfer belasten können.
💡 Symposium KidsToo « Coercive control: Familiäre und rechtliche Aspektes »
📍 Hôtel Beaulac, Neuchâtel
🗓️ 10. Juni 2026
👉 Vollständiges Programm und Anmeldung hier : www.kidstoo.ch/de/symposium

Foto: Balz Murer
🎤 Gewalt erkennen und Familiendynamiken verstehen
Dre Duc Marwood arbeitet mit Familien, die mit innerfamiliären Gewaltsituationen konfrontiert sind. Ihre klinische Expertise ermöglicht es ihr, die oft unsichtbaren Mechanismen koerzitativer Kontrolle sowie deren Auswirkungen auf innerfamiliäre Beziehungen zu entschlüsseln. In ihrem Vortrag stellt sie Instrumente vor, um Anzeichen psychischer Gewalt besser zu erkennen und die zugrunde liegenden Macht- und Abhängigkeitsdynamiken zu verstehen.
💡 Symposium KidsToo « Coercive control: Familiäre und rechtliche Aspektes »
📍 Hôtel Beaulac, Neuchâtel
🗓️ 10. Juni 2026
👉 Vollständiges Programm und Anmeldung hier : www.kidstoo.ch/de/symposium

Foto: Patrick Martin
Die Stiftung KidsToo begrüsst die Annahme der Motion Maret durch den Ständerat am 10. März 2026, die die Ausarbeitung eines Rahmengesetzes zur Prävention, zum Schutz und zur Bekämpfung häuslicher Gewalt vorsieht. Dieser wichtige Entscheid stellt ein starkes politisches Signal zugunsten eines besseren Schutzes der Opfer und eines verstärkten Handelns gegenüber einem Phänomen dar, das weiterhin eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte darstellt.
Die Stiftung begrüsst insbesondere den geäusserten Willen, landesweite Mindeststandards einzuführen, insbesondere in den Bereichen Prävention, Opferschutz und Koordination zwischen den Behörden. Noch heute kann der Schutz für von häuslicher Gewalt betroffene Personen je nach Wohnkanton unterschiedlich ausfallen. Es ist entscheidend, dass alle Opfer – insbesondere Kinder – im ganzen Land ein gleichwertiges Schutzniveau erhalten.
Die Unabhängigkeit der Justiz darf nicht verhindern, dass
- Täterinnen und Täter von Gewalt tatsächlich strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden und
- ihre Möglichkeiten, den Opfern zu schaden, zivilrechtlich eingeschränkt werden, indem die elterliche Sorge der Täterinnen und Täter in Frage gestellt wird. Sorgerecht und persönliche Beziehungen zum Kind müssen sich am Wohl des Kindes und an seiner Entwicklung orientieren und nicht am Recht des Elternteils, der seine Pflichten nicht respektiert hat.
KidsToo erinnert daran, dass Kinder direkte oder indirekte Opfer häuslicher Gewalt sind. Das Aufwachsen in einem von Gewalt geprägten Umfeld hat tiefgreifende und langfristige Folgen für ihre Gesundheit, ihre Entwicklung und ihre Sicherheit. Jede Politik zur Prävention und Bekämpfung häuslicher Gewalt muss daher den Schutz und die Begleitung der betroffenen Kinder vollständig integrieren.
Die Stiftung ruft nun den Nationalrat auf, diesen Ansatz zu unterstützen und die Arbeiten fortzusetzen, um Prävention, Opferhilfe und die Koordination zwischen den beteiligten Akteuren zu stärken. Sie ist bereit, zu dieser Reflexion beizutragen, damit das künftige Rahmengesetz den Schutz von Kindern und Familien, die in der Schweiz von häuslicher Gewalt betroffen sind, konkret verbessert.

Partir n’est pas un acte simple.
C’est souvent l’étape la plus dangereuse. La plus complexe. La plus solitaire.
Nombreuses sont les victimes de violences domestiques qui savent qu’elles doivent partir.
Mais savoir ne suffit pas.
👉 Ce qui empêche de partir, ce ne sont pas le manque de courage ou de volonté.
👉 Ce sont des obstacles très concrets.
Pour pouvoir partir en sécurité, une victime a besoin de moyens réels, notamment :
🔹 Un logement d’urgence accessible immédiatement, y compris pour les femmes avec enfants
🔹 Un revenu de transition, sans démarches longues ou conditionnelles
🔹 Une protection juridique rapide (mesures d’éloignement effectives, accompagnement légal)
🔹 Une coordination claire entre police, justice, services sociaux et santé
🔹 Un accompagnement psychosocial continu, avant, pendant et après le départ
🔹 Des informations simples, centralisées, multilingues sur les droits et les aides disponibles
🔹 Du temps : le temps de reconstruire sans pression administrative
Le 8 mars, Journée internationale des droits des femmes, nous rappelons que
le droit de vivre sans violence commence par la possibilité réelle de partir en sécurité.
Soutenir les victimes, ce n’est pas seulement leur dire « vous pouvez partir ».
C’est leur donner les moyens de le faire.
🎤 Coercive control aus strafrechtlicher Sicht: zwischen gesellschaftlicher Anerkennung und rechtliche Herausforderung
Parein gilt als eine maßgebliche Referenz im Bereich der Strafjustiz. In seinem Vortrag beleuchtet er den Wandel der rechtlichen Perspektive auf koerzitive Kontrolle – von ihrem gesellschaftlichen Sichtbarwerden bis hin zu ihrer Anerkennung im Strafrecht. Er thematisiert die Herausforderungen der juristischen Definition, die Schwierigkeiten der Beweisführung sowie die Zielsetzungen strafrechtlicher Sanktionen und hinterfragt dabei die Fähigkeit des Justizsystems, auf diese Formen von Gewalt angemessen zu reagieren.
💡 Symposium KidsToo « Coercive control: Familiäre und rechtliche Aspektes »
📍 Hôtel Beaulac, Neuchâtel
🗓️ 10. Juni 2026
👉 Vollständiges Programm und Anmeldung hier : www.kidstoo.ch/de/symposium

Foto: Sébastien Bovy
📬 Newsletter février 2026 – “Paroles, paroles…”
La chanson de Dalida avec Alain Delon dénonçait l’écart entre les promesses et la réalité.
En 2026, face à la mise en œuvre de la Convention d’Istanbul pour protéger les enfants exposés à la violence domestique, le sentiment est le même :
Des déclarations.
Des engagements.
Des rapports.
Des standards.
Mais pour les enfants exposés à la violence dans le couple parental ?
Trop souvent, des paroles.
Dans cette nouvelle newsletter, nous analysons notamment :
🔎 Le postulat de Jessica Jaccoud demandant la mise en œuvre effective de l’art. 31 de la Convention d’Istanbul
📄 Les rapports d’expert·e·s successifs restés sans suite concrète
⚖️ Les enjeux du débat parlementaire à venir
📚 Notre étude basée sur des cas réels, montrant que la violence est encore trop souvent minimisée dans les décisions de garde et de droit de visite
👉 À lire ici : https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202602_FR.pdf
Version DE : https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202602_DE.pdf
