Je vais te tuer
Wie kann man etwas beurteilen, das für sich genommen manchmal unsichtbar erscheint?
Genau das macht « Je vais te tuer /Ich werde dich töten », der Dokumentarfilm von Karine Dusfour, sichtbar. Der Film ist derzeit wieder auf ARTE verfügbar.
Der Film öffnet uns die Türen zu mehreren Gerichtsverhandlungen über innerfamiliäre Gewalt und führt uns mitten hinein in Situationen, in denen Gewalt nicht auf ein einzelnes Ereignis reduziert werden kann.
Sie kann eine Strategie sein.
Isolieren. Überwachen. Drohen. Bewegungsfreiheit, Beziehungen und finanzielle Mittel kontrollieren. Abwerten. Die Kinder instrumentalisieren. Die Freiheit schrittweise einschränken.
Genau hier liegt die Bedeutung des Konzepts der coercive control (Zwangskontrolle): Es ermöglicht, Gewalt als ein System von Verhaltensweisen zu betrachten, die in ihrer Gesamtheit dazu führen können, einer Person ihre Freiheit zu nehmen.
Während Frankreich derzeit über einen umfassenden Gesetzesvorschlag zur Bekämpfung sexistischer und sexualisierter Gewalt debattiert, stellt sich eine wichtige Frage: Wie kann unser Justizsystem diese Mechanismen der Kontrolle und Dominanz besser erfassen?
Der Film liefert dazu eine besonders interessante Perspektive.
Denn auch wenn coercive control im französischen Recht derzeit noch keinen eigenständigen Straftatbestand darstellt, kann das Konzept bereits heute dazu beitragen, Gewalt im Rahmen von Gerichtsverfahren besser zu verstehen und einzuordnen.
Voraussetzung dafür ist, dass Fachkräfte entsprechend ausgebildet und für diese Mechanismen sensibilisiert sind.
🎬 « Je vais te tuer/ Ich werde dich töten » von Karine Dusfour ist auf ARTE bis zum 29. März 2027 verfügbar:
https://www.arte.tv/de/videos/122760-000-A/ich-werde-dich-toeten
