Die erste nationale Schweizer Präventionskampagne gegen häusliche, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt tritt in ihre zweite Phase ein.

Besonders hervorheben möchten wir:

➡️ Die Kampagne macht Formen von Gewalt sichtbar, die noch immer viel zu oft unter dem Radar bleiben: psychische und verbale Gewalt, Demütigungen, Isolation, subtile Verhaltensregulierungen und andere Mechanismen von Zwangs- und Kontrollverhalten (coercive control). Sie erinnert daran, dass Gewalt nicht erst bei körperlichen Übergriffen beginnt.

➡️ Sie anerkennt endlich die Situation von Kindern, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Ob sie direkt betroffen sind oder Gewalt miterleben – sie sind immer Opfer.

➡️ Mit dem Slogan «Gleichstellung gegen Gewalt» erinnert die Kampagne daran, dass diese Gewaltformen in Machtverhältnissen, Abhängigkeiten und diskriminierenden gesellschaftlichen Normen verwurzelt sind, die sie erst ermöglichen. Gewaltprävention bedeutet deshalb auch, die Ungleichheiten zu bekämpfen, die Gewalt begünstigen.

📍 Ein denkwürdiger Tag, der einen Meilenstein auf dem Weg zur Anerkennung von Zwangskontrolle (Coercive Control) im schweizerischen Straf- und Zivilrecht markiert.

Hier die Worte unseres Präsidenten:

„Vielen Dank an Frau Jacqueline de Quattro dafür, dass sie:
• das Thema der Zwangskontrolle ins Bundesparlament eingebracht hat,
• ihre Motion im Nationalrat gegen die Empfehlung des Bundesrates verteidigt hat,
• einen großen Teil ihrer Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen konnte, diesen wichtigen Schritt zu unterstützen.

Die Verletzung der Persönlichkeit von Opfern von Zwangskontrolle kann jede und jeden treffen – unabhängig von sozialem oder wirtschaftlichem Hintergrund. Sie betrifft hauptsächlich Frauen, auch Männer und immer die Kinder. Es handelt sich um eine gesellschaftliche Geißel, deren Ausmaß sich alle politischen Parteien bewusst machen sollten.

Mit 128 Ja-Stimmen gegenüber 65 Nein-Stimmen wurde die erste Etappe mit Bravour gemeistert.

ABER

Auf politischer Ebene betonen alle, dass sie häusliche Gewalt bekämpfen wollen.
Und dennoch hat die SVP geschlossen gegen die Motion gestimmt (61 Nein, 0 Ja und nicht einmal eine Enthaltung). Keine einzige Frau wagte es, für einen besseren Schutz der Opfer zu stimmen. Auch die Lega, das MCG und die EDU folgten der SVP.

Ein solches Abstimmungsverhalten kann nur das Gefühl der Straflosigkeit bei den Täterinnen und Tätern stärken – gegenüber dem, was der Bundesrat als „Gewalt von geringer Intensität“ bezeichnet hat.

Ich kann nicht glauben, dass kein einziges Mitglied der SVP jemanden kennt, der häusliche Gewalt in Form von Zwangskontrolle erlebt hat oder derzeit erlebt. Aber es ist sicherlich einfacher, wegzuschauen oder den Aussagen der Opfer keinen Glauben zu schenken.

Alle anderen Parteien haben sich dafür entschieden, erwachsene Opfer und Kinder besser zu schützen, indem sie sowohl das Strafrecht als auch das Zivilrecht weiterentwickeln wollen.

KidsToo dankt ihnen für ihr Engagement und zählt auf sie, ihre Kolleginnen und Kollegen im Ständerat zu motivieren, dieser Motion ebenfalls zuzustimmen.“

Das Team von KidsToo arbeitet gemeinsam mit seinen Partnern weiterhin mit großem Engagement daran, die Praxis weiterzuentwickeln, die beteiligten Akteure zu sensibilisieren und zu einem besseren Schutz der Opfer häuslicher Gewalt beizutragen.Voici les mots de notre Président :

Über 100 Fachpersonen, 12 vertretene Kantone, ein gemeinsamer Wille zu handeln.

Anlässlich des Symposiums «Coercive Control: Familiäre und rechtliche Aspekte» durften wir Teilnehmende aus unterschiedlichsten Fachbereichen begrüssen: Psycholog, Fachpersonen aus dem Kinder- und Jugendschutz, Mitarbeitende von KESB/APEA, Vertreter der Polizei, Mitarbeitende von Besuchsrechts- und Begegnungsstellen (Point Rencontre), Opferhilfeberatungsstellen (LAVI), Gleichstellungsbüros, Anwält, Fachorganisationen und viele weitere.

Diese Vielfalt an Perspektiven und Fachkompetenzen ist von zentraler Bedeutung. Angesichts von Coercive Control und häuslicher Gewalt kann keine Berufsgruppe allein wirksam handeln.

Ein herzliches Dankeschön an unsere Referent für die hohe Qualität ihrer Beiträge, an alle Teilnehmenden für ihr Engagement und die bereichernden Diskussionen sowie an die freiwilligen Helfer, die zum grossen Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen haben.

Wir hoffen, dass alle Teilnehmenden mit einem vertieften Verständnis der psychologischen, klinischen und rechtlichen Mechanismen von Coercive Control nach Hause gehen – und mit konkreten Impulsen, um ihre professionelle Praxis auf allen Ebenen der Schutzkette für Betroffene und insbesondere für Kinder weiterzuentwickeln.

Wir hoffen zudem, dass dieser Tag neue Begegnungen ermöglicht, die transdisziplinäre Zusammenarbeit gestärkt und neue Projekte angestossen hat.

Die letzte Folie von Ruedi Winet stellte eine ebenso einfache wie grundlegende Frage:

«Wer schützt dieses Kind wirklich?»

Jede Institution, jede Berufsgruppe und jede Person im Hilfs- und Schutznetzwerk trägt einen Teil der Antwort in sich.

Heute investieren wir viel Energie darin, die Folgen von Gewalt zu bewältigen, nachdem sie bereits eingetreten ist. Doch wir müssen gemeinsam auch eine Gesellschaft gestalten, die solche Situationen verhindert – eine Gesellschaft, die die Sicherheit und die Bedürfnisse von Kindern konsequent in den Mittelpunkt stellt.

„Kinder müssen geschützt werden.“

Das sagt jeder.

Doch wie schützt man ein Kind, wenn die Person, die es schützt, selbst terrorisiert wird und weiterhin Gewalt erfährt?

In der Schweiz sind die Zahlen eindeutig: Laut den PKS-Zahlen 2025 machen Frauen 84 % der Opfer «schwerer» häuslicher Gewalt aus.

Ein Kind muss nicht direkt Ziel der Gewalt sein, um Opfer zu sein.

Wenn der Täter die Mutter zerstört, greift er zugleich an:
den sicheren Zufluchtsort des Kindes,
seine emotionale Stabilität,
seine psychische Entwicklung,
seine zukünftige Fähigkeit, sich sicher zu fühlen.

Zu behaupten, man schütze Kinder, ohne ihren schützenden Elternteil zu schützen, bedeutet, die Dynamik häuslicher Gewalt zu ignorieren.

Es ist Zeit, aufzuhören, Partnerschaftsgewalt und Kinderschutz voneinander zu trennen.

🚨 Kann man etwas bekämpfen, das man nur schwer erkennen kann?

Der kontrollierende Zwang (Coercive Control) gehört zu den subtilsten Formen von Gewalt und wird trotz seiner verheerenden Auswirkungen häufig unterschätzt.

Um diese Dynamiken zu beleuchten, Fachwissen zu teilen und konkrete Handlungsansätze zu eröffnen, bringt unser Symposium zum Thema „kontrollierender Zwang“ in Kürze zentrale Stimmen zusammen.

Symposium „« Coercive control : Familiäre und rechtliche Aspekte »

10. Juni

Neuchâtel:

📅 Ein Tag des strategischen Austauschs
🎙️ Engagierte Expert*innen
🤝 Eine mobilisierte Community
…und 🎁 eine exklusive Überraschung für jede teilnehmende Person.

Neugierig? Sie können Ihren Platz hier noch reservieren: www.kidstoo.ch/de/symposium

📬 Der Newsletter der Stiftung KidsToo für Mai 2026 ist online.

In dieser Ausgabe:

🔹 Die Nichteinhaltung der Istanbul-Konvention durch unsere Gesetzgebung
🔹 Ein offener Brief an die Mitglieder des Nationalrats
🔹 Die Notwendigkeit, den Begriff der coercive control (Zwangskontrolle) ins Schweizer Recht aufzunehmen
🔹 Die Herausforderungen rund um die Motion De Quattro 25.3062
🔹 Ressourcen und Literaturempfehlungen zum besseren Verständnis häuslicher Gewalt
🔹 Unser Symposium vom 10. Juni in Neuchâtel zum Thema coercive control

KidsToo ist überzeugt, dass es an der Zeit ist, den Schutz der Opfer zu stärken und unseren gesetzlichen Rahmen weiterzuentwickeln.

📖 Den vollständigen Newsletter finden Sie hier: https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202605_DE.pdfembres du Conseil national
🔹 La nécessité d’introduire la notion de contrôle coercitif dans le droit suisse
🔹 Les enjeux autour de la motion De Quattro 25.3062
🔹 Des ressources et lectures pour mieux comprendre les violences domestiques
🔹 Notre symposium du 10 juin à Neuchâtel sur le contrôle coercitif

Chez KidsToo, nous restons convaincus qu’il est temps de renforcer la protection des victimes et de faire évoluer notre cadre légal.

📖 Découvrez la newsletter complète ici : https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202605_FR.pdf

⏳ Nur noch 7 Tage, um sich für das KidsToo-Symposium anzumelden!

📍 Hôtel Beaulac, Neuchâtel
📅 10 juin 2026


« Coercive control : Familiäre und rechtliche Aspekte »

Programm :

🎤 Dre Andreea Gruev-Vintila
« Coercive control: was uns aktuelle Studien sagen »

🎤 Dr. med. Alessandra Duc Marwood
« Gewalt erkennen und Familiendynamiken verstehen»

🎤 Prof. Daniel Schechter
« Auswirkungen der Weitergabe von Gewalttraumata»

🎤 May Beyli
« Psychische Entwicklungswege und Kontrollmechanismen bei Gewalttäter*innen »

🎤 Me Loïc Parein
« Coercive control aus strafrechtlicher Sicht: zwischen gesellschaftlicher Anerkennung und rechtliche Herausforderung »

🎤 Ruedi Winet
« Anpassung des Familienrechts zum Schutz der Opfer»

Ein Tag des interdisziplinären Austauschs, der für Fachleute aus den Bereichen Recht, Gesundheit, Soziales und Kinderschutz von entscheidender Bedeutung ist.

🔗 Informationen und Anmeldung: www.kidstoo.ch/de/symposium


« Contrôle coercitif – Enjeux familiaux et juridiques »

Au programme :

🎤 Dre Andreea Gruev-Vintila
« Le contrôle coercitif, ce que nous disent les études aujourd’hui »

🎤 Dr. med. Alessandra Duc Marwood
« Reconnaître les violences et comprendre les dynamiques familiales »

🎤 Prof. Daniel Schechter
« Impact de la transmission des traumatismes de la violence »

🎤 May Beyli
« Trajectoires psychiques et mécanismes de contrôle chez les auteur.e.s de violences »

🎤 Me Loïc Parein
« Le contrôle coercitif au prisme du droit pénal : entre reconnaissance sociétale et défi judiciaire »

🎤 Ruedi Winet
« Adapter le droit de la famille pour la protection des victimes »

Une journée d’échanges interdisciplinaires essentielle pour les professionnel-le-s du droit, de la santé, du social et de la protection de l’enfance.

🔗 Informations et inscriptions : www.kidstoo.ch/symposium

📢 Zum ersten Mal veröffentlicht die Fondation KidsToo einen Bericht über Sexualdelikte in der Schweiz.

Im Anschluss an die Revision des Sexualstrafrechts, die im Juli 2024 in Kraft trat («Nein heisst Nein»), wollten wir deren Auswirkungen anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik von 2009 bis 2025 analysieren.

Der Bericht zeigt insbesondere auf:

▪️ +39 % erfasste Sexualdelikte zwischen 2019 und 2025
▪️ +55 % Sexualdelikte im häuslichen Umfeld im selben Zeitraum
▪️ +67 % erfasste Vergewaltigungen zwischen 2023 und 2025 nach der Revision des Sexualstrafrechts
▪️ Im Jahr 2025 machen Sexualdelikte im häuslichen Umfeld 27 % aller Sexualdelikte aus, gegenüber 17 % im Jahr 2009
▪️ Frauen bleiben die Hauptopfer, doch die Statistiken zeigen auch einen Anstieg männlicher Opfer, die lange Zeit unsichtbar geblieben sind
▪️ Minderjährige machen im Jahr 2025 42 % der Opfer von Sexualdelikten im häuslichen Umfeld aus

Diese Zahlen spiegeln sowohl das anhaltende Ausmass der Gewalt als auch eine schrittweise Auflösung des Schweigens wider.

📄 Vollständiger Bericht:

https://www.kidstoo.ch/app/uploads/Dernier_ViolDom_K2_1_Sex_DE.pdf

[Coercive control | Zwangskontrolle und Kinder]

Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, sind nicht bloß mittelbare Zeug:innen. Sie sind eigenständige Opfer.

„Oft besteht die Vorstellung, dass ein Kind zwangsläufig sprechen wird, wenn alles dafür eingerichtet ist, ihm zuzuhören. Nichts könnte falscher sein.“

„Ein betroffenes Kind spricht nicht, weil es Worte waren, die es verletzt haben; Worte waren es, die sein Leben zerstört haben.“

„Die Worte eines betroffenen Kindes aufzunehmen bedeutet, das Kind zu unterstützen, gemeinsam mit ihm und für es ausreichend tragfähige Vertrauensbeziehungen aufzubauen und vor allem zu wissen, wie man ihm zuhört: durch seine Worte, seine Gesten, seine Haltungen und sein Schweigen.“

Jedes betroffene Kind braucht eine spezifische Begleitung, die auf seine eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist, seinem Tempo entspricht, Sicherheit vermittelt und von Fachpersonen getragen wird, die für diese Komplexität ausgebildet sind.

Das Buch „Repérage et prise en charge des enfants exposés au contrôle coercitif“ (in FR) (Erkennung und Begleitung von Kindern, die Zwangskontrolle ausgesetzt sind) stellt in diesem Zusammenhang eine wertvolle Ressource dar. Durch die herausragende Qualität seiner Mitwirkenden und den außergewöhnlichen Reichtum an Erfahrungsberichten liefert es wichtige Schlüssel, um besser zu verstehen, zu erkennen und zu begleiten.

Avant notre symposium du 10 juin à Neuchâtel, découvrez la vidéo de l’Association 125 et Après, où Dr Andreea Gruev-Vintila pose les bases de ce concept fondamental.

Notre symposium explorera son impact sur la famille (Daniel Schechter, Alessandra Duc Marwood), les trajectoires psychologiques des auteurs (May Beyli), ainsi que ses implications légales, civiles (Ruedi Winet) et pénales (Loic Parein)

Merci à Sarah Barukh, fondatrice de l’association 125 et Après, pour son engagement exceptionnel et son travail titanesque de sensibilisation, et à Andreea Gruev-Vintila pour ses travaux de recherche et son ouvrage de référence « Le contrôle coercitif : au coeur de la violence conjugale ».

Info et inscription au symposium: https://www.kidstoo.ch/symposium/