🎙 Besuchsrecht trotz Gewalt

Wir hatten das Vergnügen, in die Sendung Forum von RTS eingeladen zu werden, um die Ergebnisse der SUPSI–ZHAW-Studie vorzustellen, die die Stiftung KidsToo gerade veröffentlicht hat:
« Kinder als Mitbetroffene von Paargewalt: eine Analyse von Prozessen und Kosten im Kontext des Besuchs- und Sorgerechts »
In dem Interview erinnert Pascal Bovay, Präsident von KidsToo, an mehrere wichtige Feststellungen:
• Häusliche Gewalt wird im Rahmen von Zivilverfahren noch immer zu oft unsichtbar gemacht.
• Eine längst überholte Maxime beeinflusst weiterhin die Entscheidungen: „Es ist gut für ein Kind, Kontakt zu beiden Elternteilen zu haben”, selbst wenn ein Elternteil gewalttätig ist.
• Kinder werden selten oder zu spät angehört, und ihre Aussagen werden nicht ausreichend berücksichtigt.
• Das gemeinsame Sorgerecht und das Besuchsrecht können zu Instrumenten werden, die es dem Gewalttäter ermöglichen, weiterhin Gewalt auszuüben.
• Es ist unerlässlich, dass die Justiz bei Trennungen, von denen Kinder betroffen sind, systematisch nach möglichen Anzeichen von Gewalt sucht.
• Wenn Gewalt festgestellt wird, muss es möglich sein, das Sorgerecht auszusetzen oder anzupassen, um das betroffene Elternteil und das Kind wirklich zu schützen.
👉 Die Sendung hier noch einmal ansehen (mit Untertitel DE): https://www.srf.ch/news/dialog/paargewalt-in-familien-sorgerechtsentscheidung-kinder-als-mitbetroffene-zu-wenig-gehoert
👉 Weitere Informationen zur Studie: https://www.kidstoo.ch/de/projets-2/les-enfants-de-la-violence-domestique/
Ein großes Dankeschön an SRF für die Sensibilisierung.

Kinder im Schatten häuslicher Gewalt: Ein von KidsToo beauftragter Bericht deckt gravierende Schutzlücken auf
Die Stiftung KidsToo veröffentlicht heute einen neuen Bericht über die Belastung von Kindern durch Partnerschaftsgewalt.
👉 Durchgeführt von Ornella Larenza (SUPSI) in Zusammenarbeit mit Andreas Jud (ZHAW) analysiert die Studie 41 Fälle in vier Schweizer Kantonen. Das Fazit ist eindeutig:
- Gewalt wird häufig in den Hintergrund gedrängt und als blosser elterlicher Konflikt betrachtet.
- Die Kinder werden zu wenig angehört.
- Unterstützungsmaßnahmen kommen spät – wenn sie überhaupt kommen.
- Die Kosten der Verfahren spiegeln eher die administrative Komplexität wider als die Schwere der erlebten Gewalt.
🎯 Der Bericht enthält Empfehlungen: bessere Anhörung von Minderjährigen, interdisziplinäre Aus- und Weiterbildung, kantonale Harmonisierung, frühe Prävention und eine angemessene Finanzierung. All dies sind wesentliche Hebel, um die Schweizer Praxis mit den Verpflichtungen der Istanbul-Konvention in Einklang zu bringen.
📢 Die Veröffentlichung erfolgt während der 16 Tage des Aktivismus gegen geschlechtsbasierte Gewalt – ein entscheidender Moment, um unsere Praxis zu überdenken und den Schutz der Kinder zu stärken.
👉 Wir laden Sie ein, zu lesen:
Pressemitteilung: https://www.kidstoo.ch/app/uploads/SUPSI_Etude_202511_DE_CP.pdf
Executive Summary: https://www.kidstoo.ch/app/uploads/SUPSI_Etude_202511_DE_Executive.pdf
Die vollständige Fassung der Studie wird Anfang 2026 veröffentlicht.
📢 Art. 55a StGB: gedacht als Schutz – in der Realität wirkt er zum Nachteil der Opfer
Der Artikel 55a des Strafgesetzbuches, eingeführt und 2020 revidiert, sollte eigentlich den Schutz von Opfern häuslicher Gewalt stärken.
Doch wenn man die Mechanismen häuslicher Gewalt kennt, wird schnell klar: Dieser Artikel erzielt das Gegenteil. Er eröffnet Täter*innen Möglichkeiten, Verfahren ohne echte Konsequenzen zu verlassen – und das selbst nach der Reform von 2020.
Genau dies analysieren wir ausführlich in der KidsToo-Newsletter – November 2025, der letzten Ausgabe des Jahres.
👉 Inhalt dieser Ausgabe:
• Wie Art. 55a StGB die Realität häuslicher Gewalt leugnet
• Warum er die Zwangskontrolle vollständig ignoriert
• Weshalb seine Anwendung im Widerspruch zur Istanbul-Konvention steht – insbesondere im Hinblick auf Kinder als Mitopfer
• Eine klare Übersicht über die mit häuslicher Gewalt verbundenen Straftatbestände im StGB
• Die problematischen Folgen: illusorische Stabilisierung, erleichterte Einstellung von Verfahren, fehlende Berücksichtigung von Gewaltmustern
📄 Newsletter lesen: https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202511_DE.pdff

Dieses Jahr haben in der Schweiz viel zu viele Frauen ihr Leben verloren – durch die Gewalt von Menschen, die vorgaben, sie zu lieben.
Im Laufe der Monate folgten die Meldungen Schlag auf Schlag. Sie rissen über unsere Bildschirme wie Splitter brutaler Realität. Unterbrochene Leben. Zerbrochene Familien.
Nach und nach hat sich etwas verändert. Aus „Eifersuchtsdramen“ wurden „Femizide“. Aus einzelnen tragischen Fällen wurde ein echtes gesellschaftliches Thema.
Und die Behörden konnten nicht länger wegschauen – sie kündigten Massnahmen an und stellten endlich finanzielle Mittel bereit.
Tragisch bleibt, dass es erst eine Rekordzahl an Femiziden brauchte, damit sich etwas bewegt.
Und doch hat sich inmitten dieser düsteren Realität eine kollektive Kraft formiert. Vor Ort ist das Engagement stärker denn je, die Zusammenarbeit wächst, die Anstrengungen werden abgestimmt.
Heute, am 25. November, möchten wir Folgendes sagen:
An alle Betroffenen,
an all jene, die noch zögern, den ersten Schritt zu machen,
an die, die Angst haben oder keinen Ausweg mehr sehen,
an ihre Angehörigen, die sich oft machtlos fühlen.
Gebt die Hoffnung nicht auf.
Ihr seid nicht allein. Fachpersonen, Organisationen und zahlreiche Verbündete setzen sich jeden Tag dafür ein, dass diese Gewalt zurückgeht – damit Sicherheit ein echtes Recht wird und kein abstraktes Versprechen bleibt.
Der Weg ist noch lang, aber er führt vorwärts. Gemeinsam.

🎈 20 novembre – Journée internationale des droits de l’enfant
Rappelons que chaque enfant a des droits: être entendu, être protégé, grandir dans la dignité, accéder aux soins, à l’éducation et à un environnement bienveillant.
La Suisse, en signant la Convention de l’ONU relative aux droits de l’enfant, s’est engagée à faire respecter ces droits.
📚 À cette occasion, nous mettons en lumière ce livre :
« Tes droits et tes besoins comptent » d’Édouard Durand
Ancien juge des enfants, co-président de la Commission indépendante sur l’inceste et les violences sexuelles faites aux enfants en France, Édouard Durand consacre sa carrière à la protection de l’enfance. Sa vocation : donner une voix aux enfants, reconnaître leur parole et renforcer la culture de la prévention et de la protection.
✨ Dans ce livre destiné aux enfants, il explique:
- quels sont leurs droits fondamentaux ;
- pourquoi leurs émotions ont de la valeur ;
- comment reconnaître des situations qui ne respectent pas leurs besoins ;
- à qui se confier lorsqu’ils se sentent en insécurité ;
- que chaque enfant mérite le respect, l’écoute et la protection.
Die erste nationale Kampagne zur Prävention von häuslicher, sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt wurde lanciert – eine Initiative des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG).
Doch so wichtig dieser nationale Schritt auch ist, es muss klar gesagt werden:
👉 Zahlreiche Institutionen, NGOs, kantonale Stellen, Vereine und Fachpersonen haben nicht auf eine nationale Initiative gewartet, um zu handeln.
Seit Jahren leisten sie, oft im Hintergrund, eine beeindruckende Arbeit der Sensibilisierung, Prävention und Begleitung.
Dank ihres Engagements wurde das Schweigen gebrochen, Unterstützungsangebote wurden ausgebaut, Betroffene besser gehört und die Gesellschaft hat begonnen, sich zu verändern.
Heute baut diese nationale Kampagne auf diesem Engagement vor Ort auf.
Sie verleiht ihm Sichtbarkeit und Zusammenhalt auf nationaler Ebene.
Das ist eine kollektive Anerkennung all dessen, was in den letzten Jahren aufgebaut wurde.

🚗 Via sicura hat Leben auf unseren Straßen gerettet.
🏠 Und was, wenn wir dieselbe Logik auf unsere Haushalte anwenden würden?
Die Schweiz hat bewiesen, dass sie ein komplexes Problem wie die Verkehrssicherheit in einen kollektiven Erfolg verwandeln kann.
Doch zu Hause nimmt die häusliche Gewalt weiter zu.
In seinem neuesten Newsletter untersucht KidsToo, wie man sich von Via sicura inspirieren lassen kann, um ein „Domum sicurum“ zu schaffen – einen Ort, an dem endlich jeder zu Hause sicher ist.
👉 Inhalt:
• Ist das eigene Zuhause in der Schweiz ein sicherer Ort?
• Via sicura – ein Erfolgsmodell in Prävention und Kontrolle
• Welche Maßnahmen sich auf ein „Domum sicurum“ übertragen lassen:
o Verhinderung von Rückfällen und besserer Schutz der Opfer
o Strikte Anwendung der bestehenden Regeln
o Ahndung schwerer Delikte
o Angepasste gerichtliche und soziale „Infrastrukturen“
o Verbesserung der Statistik und der Fallnachverfolgung
• KidsToo – what’s new?
o SUPSI-Studie über Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind
o Argumentarium gegen das geteilte Sorgerecht als Standardlösung
o Neue Berichte zu Kinderschutz und häuslicher Gewalt (2009–2024)
📖 Hier lesen: https://www.kidstoo.ch/app/uploads/K2NL_202510_DE.pdf

KidsToo nahm an dem vom Universitätsdienst für Kinder- und Jugendpsychiatrie (SUPEA) des CHUV organisierten Fachtag teil, der dem Thema gewidmet war:
👉 Die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf das Kleinkind und die Elternschaft.
• 1 von 20 Kindern braucht im Laufe seines Lebens Schutz.
• Die Meldungen in der Altersgruppe 0–6 Jahre haben sich in den letzten Jahren verdoppelt.
• 30 % dieser Meldungen stehen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.
Diese Zahlen erinnern daran, wie wichtig es ist, das Kleinkind und seine Eltern bereits bei den ersten Anzeichen von Verletzlichkeit zu unterstützen –
und vor allem anzuerkennen, dass das Kind ein eigenes traumatisches Erleben hat, das sich nicht auf die elterliche Erzählung reduzieren lässt.
🎭 Einer der Höhepunkte des Tages war die szenische Darstellung einer klinischen Situation:
die Betreuung eines dreijährigen Kindes im Kontext einer elterlichen Trennung nach häuslicher Gewalt.
Eine originelle Sequenz, die die Mentalisierung – die der Fachpersonen, der Eltern und des Kindes – veranschaulichte, um zu zeigen, wie jede*r die Emotionen der anderen verstehen und sich vorstellen kann.
🧠 Unsere wichtigsten Erkenntnisse:
• Das Trauma des jungen Kindes zeigt sich vor den Worten, im Körper und in der Beziehung.
• Eltern zu unterstützen heißt auch, das Kind zu heilen – Elternschaft ist ein therapeutischer Hebel.
• Die Kinderrechte, insbesondere das Kindeswohl und das Recht, gehört zu werden, müssen Kompass jeder Intervention sein.
• Das geteilte Erzählen und die therapeutische Allianz können das Trauma in eine Geschichte der Resilienz verwandeln.
💡 Besonderes Lob an die Organisation des Symposiums:
Zwischen den einzelnen Beiträgen sorgten kurze Zwischenspiele dafür, dass das Publikum sich emotional regulieren konnte – eine seltene und wertvolle Aufmerksamkeit in einem so belastenden Kontext.
Und nein – die kleinen Bonbonpäckchen waren nicht für Halloween 🎃 gedacht,
sondern weil Kauen hilft, im „Hier und Jetzt“ zu bleiben, wenn man spürt, dass ein Teil von einem in die Dissoziation abgleitet.
🙏 Danke an das CHUV und das SUPEA-Team für diesen Tag, der uns daran erinnert:
Frühes Handeln heißt nachhaltiger Schutz.ité.

🌟 Gute Nachrichten für Kinder und Überlebende häuslicher Gewalt 🌟
Ein historischer Wendepunkt im Familienrecht im Vereinigten Königreich:
Die Regierung hat angekündigt, dass der automatische Kontakt zu beiden Elternteilen in den Familiengerichten von England und Wales nicht mehr als im besten Interesse des Kindes betrachtet wird.
🔹 Künftig müssen die Richter:innen von Fall zu Fall entscheiden und dabei die Sicherheit und das Wohl des Kindes über alles stellen.
🔹 Diese Reform beendet eine sogenannte „pro-Kontakt“-Rechtspraxis, die Kinder zu oft Gewalt- oder Zwangskontrollsituationen ausgesetzt hat.
🔹 Aktivist:innen, Anwält*innen und Organisationen sprechen von einer Veränderung, die „Leben retten wird“ und das Kind und seine Stimme wieder ins Zentrum der Entscheidungen rückt.
Ein Sieg, getragen von jahrelangem Engagement.
👉 Ein entscheidender Schritt hin zu einer Familiengerichtsbarkeit, die vor allem schützt.
Ein Beispiel, dem auch andere Länder folgen sollten. Ein Thema zum Nachdenken für die Schweiz, die erwägt, das Wechselmodell zum Standard zu machen.

💬 Zahl des Tages #3
2 Milliarden CHF – so hoch sind die geschätzten indirekten jährlichen Kosten häuslicher Gewalt in der Schweiz.
Hinter diesen Zahlen steht mehr als nur eine wirtschaftliche Dimension: Sie zeigen das Ausmaß eines menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Problems, das uns alle betrifft.
Häusliche Gewalt betrifft nicht nur die Opfer, sondern die gesamte Gesellschaft.
👉 Es ist Zeit für ein starkes politisches Engagement:
In Prävention, Schutz und Unterstützung der Betroffenen zu investieren bedeutet, eine sicherere Zukunft zu schaffen – und diese Kosten langfristig zu senken.
